Chancenkarte: mit einem Jahr Zeit einen Job in Deutschland finden
Mit der Chancenkarte können Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten für bis zu ein Jahr nach Deutschland kommen, um hier Arbeit zu suchen. Die Zeit ist knapp, deshalb zählt ein Lebenslauf, der von Anfang an zum deutschen Markt passt. Hier sind die Regeln im Überblick (Stand 2026) und Tipps für die Jobsuche.
1. Wer bekommt die Chancenkarte?
Es gibt zwei Wege:
- Mit anerkanntem Abschluss: Ist dein Berufs- oder Hochschulabschluss in Deutschland voll anerkannt, bekommst du die Chancenkarte ohne Punkte.
- Über das Punktesystem: Du brauchst einen im Herkunftsland staatlich anerkannten Hochschulabschluss oder eine mindestens zweijährige Berufsausbildung, dazu Deutsch mindestens A1 oder Englisch mindestens B2, und mindestens 6 Punkte.
In beiden Fällen musst du deinen Lebensunterhalt sichern, zum Beispiel mit einem Sperrkonto (2026: mindestens 1.091 Euro pro Monat) oder einer Verpflichtungserklärung.
2. So kommst du auf 6 Punkte
- Teilweise Anerkennung deines Abschlusses in Deutschland: 4 Punkte
- Berufserfahrung: 3 Punkte für mindestens 5 Jahre in den letzten 7 Jahren, 2 Punkte für mindestens 2 Jahre in den letzten 5 Jahren
- Deutsch: B2 oder besser 3 Punkte, B1 2 Punkte, A2 1 Punkt; Englisch C1: 1 zusätzlicher Punkt
- Alter: unter 35 Jahre 2 Punkte, 35 bis 39 Jahre 1 Punkt
- Abschluss in einem Engpassberuf: 1 Punkt
- Mindestens 6 Monate ununterbrochener legaler Aufenthalt in Deutschland in den letzten 5 Jahren (nicht als Tourist): 1 Punkt
- Ehe- oder Lebenspartner erfüllt ebenfalls die Voraussetzungen: 1 Punkt
Sprachkenntnisse musst du mit einem Zertifikat nachweisen. Ob du genug Punkte hast, kannst du mit dem offiziellen Self-Check auf make-it-in-germany.com prüfen.
3. Was du mit der Chancenkarte darfst
- Bis zu ein Jahr in Deutschland Arbeit suchen
- Nebenbei arbeiten, insgesamt bis zu 20 Stunden pro Woche
- Probearbeiten, jeweils bis zu zwei Wochen pro Arbeitgeber, wenn es um eine qualifizierte Stelle, eine Ausbildung oder eine Anerkennungsmaßnahme geht
- Wenn du eine passende Stelle gefunden hast: in Deutschland den passenden Aufenthaltstitel beantragen, zum Beispiel Blaue Karte EU oder Aufenthaltserlaubnis für Fachkräfte
Beträge und Regeln können sich ändern. Verbindlich sind die Angaben auf make-it-in-germany.com und der deutschen Auslandsvertretung, bei der du den Antrag stellst. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
4. Das Jahr gut nutzen: Bewerbung ab Tag eins
- Lebenslauf vor der Einreise fertig machen. Ein deutscher Lebenslauf mit klarer Struktur spart dir Wochen.
- Aufenthaltsstatus kurz nennen. Arbeitgeber fragen sich, ob sie dich einstellen dürfen. Eine Zeile hilft: „Chancenkarte, gültig bis 08/2027, Arbeitsaufnahme sofort möglich“.
- Anerkennung parallel starten. In reglementierten Berufen wie der Pflege dauert sie; eine laufende Anerkennung macht dich für Arbeitgeber planbar.
- Probearbeit nutzen. Zwei Wochen im Betrieb überzeugen oft mehr als jedes Anschreiben.
- Deutsch weiterlernen. Jede Stufe erweitert die Zahl der Stellen deutlich.
5. Häufige Fehler
- Erst nach der Einreise mit dem Lebenslauf anfangen
- Aufenthaltsstatus nicht erwähnen, sodass Arbeitgeber unsicher sind
- Nebenjob ohne Bezug zum Beruf, der die ganze Zeit für die Suche frisst
- Deutschniveau ohne Zertifikat oder übertrieben angeben
Beschreib deine Erfahrung in deiner Sprache.
cvfix macht daraus einen deutschen Lebenslauf, mit dem du dich vom ersten Tag deiner Chancenkarte an bewerben kannst, ohne etwas zu erfinden.
Häufige Fragen
Wie viele Punkte brauche ich für die Chancenkarte?
Mindestens 6 Punkte, wenn dein Abschluss in Deutschland nicht voll anerkannt ist. Punkte gibt es unter anderem für teilweise Anerkennung (4), Berufserfahrung (bis 3), Deutschkenntnisse (bis 3), Englisch C1 (1), Alter (bis 2), einen Engpassberuf (1), frühere Aufenthalte in Deutschland (1) und den Partner (1). Mit voll anerkanntem Abschluss brauchst du keine Punkte.
Wie viel Geld brauche ich für die Chancenkarte?
Du musst deinen Lebensunterhalt für die ganze Zeit sichern. 2026 sind das grundsätzlich mindestens 1.091 Euro pro Monat, zum Beispiel auf einem Sperrkonto oder über eine Verpflichtungserklärung. Ein Nebenjob mit bis zu 20 Stunden pro Woche kann angerechnet werden.
Darf ich mit der Chancenkarte arbeiten?
Ja, nebenbei bis zu 20 Stunden pro Woche und Probearbeit von jeweils bis zu zwei Wochen pro Arbeitgeber. Für eine reguläre Vollzeitstelle beantragst du, sobald du sie gefunden hast, einen passenden Aufenthaltstitel.
Wie lange gilt die Chancenkarte?
Die Chancenkarte zur Jobsuche wird für bis zu ein Jahr erteilt. Findest du eine qualifizierte Stelle und kommt kein anderer Aufenthaltstitel in Frage, kann eine Folge-Chancenkarte für bis zu zwei weitere Jahre erteilt werden.
Soll ich die Chancenkarte im Lebenslauf erwähnen?
Ja, kurz im Kopf oder im Profil, zum Beispiel „Chancenkarte, gültig bis 08/2027, Arbeitsaufnahme sofort möglich“. So wissen Arbeitgeber sofort, dass du in Deutschland bist und eine Stelle antreten kannst.
Stand: September 2026 · Weitere Ratgeber: Pflege · IT · Handwerk · Anerkennung · RU · UK · TR · AR · Über cvfix · Impressum · Datenschutz